Der Protagonist

Yaar Strand frontal2 300x140 - Der ProtagonistWarum ich der unjüdischste Jude der Welt bin?
Es fängt schon damit an, dass ich nicht beschnitten bin. Wir haben nie die Feste gefeiert, nie kosher gegessen, immer Fleisch und Käse gemischt. Meine Freundin ist Deutsche. Ich weiß nichts über das Judentum, kenne die Rituale nicht. Nicht mal das Gebet, das an Shabat gesprochen wird.
Und trotzdem war ich in der Schule manchmal die Judensau.

Yaar ist fünf Jahre alt, als er mit seinen Eltern in ein Flugzeug Richtung Deutschland steigt. Davor lebte die Familie in der Nähe von Tel Aviv.
Mit dem Umzug nach Berlin beginnt ein völlig neues Leben. Yaar wächst wie ein Deutscher auf, feiert Weihnachten und Ostern, geht in eine deutsche Schule, macht Abitur. Seine Eltern erziehen Yaar ohne Bezug zur Religion. Der Vater ist Yaars großes Vorbild, doch je älter er wird, desto so mehr wird ihm bewusst, dass sein Vater leidet. Warum, das versteht er nicht, nur dass es mit der Familiengeschichte zu tun hat.

Nach dem Messerangriff auf offener Straße fühlt sich Yaar selbst als Opfer, eine Rolle, aus der er schleunigst raus will. Mit seinem Computerspiel über den Holocaust will er junge Menschen auf eine Weise erreichen, wie es Geschichtsbücher und KZ-Besuche nicht vermögen. Zugleich ist es sein Weg, der Opferrolle zu entkommen und zum Handelnden seiner eigenen Geschichte zu werden. Als er sich entschließt, sich für diesen Film mit der Kamera begleiten zu lassen, ist Yaar bereit, sich seinem Erbe zu stellen, mit allen – auch schmerzhaften – Erfahrungen, die das mit sich bringt.

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